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Neue Bauern, aufgeklärte Konsumenten, klare Kennzeichnung

Veröffentlicht am 18.02.2020

Nett, aber kaum Neues.

Ja, neue Leitbilder für die Landwirtschaft werden benötigt. Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Und doch völlig anders aufbereitet als in meinem "Suppenhuhn", obwohl manche Vorschläge recht ähnlich sind.

Das Buch ließt sich gut, der Tonfall ist kompromissbereit und macht die Landwirte an der Basis nicht zum Feindbild. Schade nur, dass vieles so oberflächlich dargestellt wird.
Beispiele: Das Schwanzbeißen bei Mastschweinen wird zwar als Problem angesprochen, es wird aber nicht erklärt, dass es sich um eine Verhaltensstörung handelt, die entsteht, weil die Tiere ihr Normalverhalten nicht ausleben können - und dass das Leiden bedeutet. Oder: Auf S. 105 wird erwähnt, dass Harald Grethe eine Wissenschaftlergruppe geleitet hat. Man könnte durchaus erwähnen, dass es sich um den Wissenschaftlichen Beirat Agrarpolitik (WBA) der Bundesregierung handelt und dass Prof. Grethe kein agrarökonomischer Nobody ist. Oder:  S. 141: Das Bundesverwaltungsgericht befindet sich nicht in Magdeburg. Das dortige Urteil ist aber dennoch von weitreichender Bedeutung für die Sauenhaltung, was man auch ein bisschen ausführlicher hätte erklären können. Vor allem weil das Gericht lediglich die Einhaltung geltenden Rechtes angemahnt hat. Oder: S. 162 - es muss "Laktoseintoleranz" oder "Laktasepersistenz" heißen, aber nicht "Laktosepersistenz". Selbst wenn es nur um einen Buchstaben geht, sollte der Unterschied gerade einer Tierärztin geläufig sein. Und so wird eben vieles angerissen, aber nicht vertieft. Die eine oder andere zusätzliche Quellenangabe hätte auch nicht geschadet. Letztlich ein Buch für diejenigen Leser, die diese Inhalte eh schon kennen. Es ist ein nettes Plädoyer für ökologische Landwirtschaft ohne großen Neuigkeitswert. Schade eigentlich, dass das Potential nicht besser ausgeschöpft wurde.


Ophelia Nick
Neue Bauern braucht das Land
Ein Plädoyer für gute Lebensmittel aus einer gesunden Umwelt
Oekom-Verlag, München; 20 Euro