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Neue Bauern, aufgeklärte Konsumenten, klare Kennzeichnung

Veröffentlicht am 18.02.2020

Nett, aber kaum Neues.

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Die Wunder des Bodenlebens schützen

Veröffentlicht am 01.02.2020

Mit seinem Buch „Rettet den Boden!“ setzt Florian Schwinn fort, was er mit „Tödliche Freundschaft“ begonnen hatte. Vor zwei Jahren plädierte er für einen respektvollen Umgang mit Tieren, nun für eine schonende Nutzung der Böden. Das Thema ist hochaktuell. Die Klimadebatte verleiht der Idee neuen Auftrieb, mehr Humus und damit mehr CO2 im Boden zu speichern. Schade nur, dass sich Schwinn im Anekdotischen verliert.

Im ersten Teil des Buches erläutert der Autor anschaulich – von schönen Zeichnungen der Grafikerin Katharina Schmidt sinnvoll unterstützt – die beeindruckende Vielfalt der Bodenlebewesen. Allerdings fällt schon hier auf, dass sich der Autor kaum mit dem abstrakteren, sprich nur mikroskopisch erkennbaren Anteil des Bodenlebens befasst. Im zweiten Teil folgt eine Sammlung interessanter Aspekte zur Bodenbiologie. Es schließt sich eine kritische, zuweilen ausschweifende Darstellung der Eigentumsverhältnisse von Boden in Europa an. Diese mündet im vierten Teil in reportage-artige Vorstellungen von zwei Beispielen bodenschonender Landwirtschaft, die so auch in populären Zeitschriften veröffentlicht worden sein könnten.

Es ist die Stärke des Autors, die Leser auf Erkundungsreisen mitzunehmen und dabei interessante historische Bezüge herzustellen. Schwach wird die Bearbeitung des Themas jedoch immer dann, wenn es um naturwissenschaftliche Grundlagen geht. Es trifft zu, dass man im Boden CO2 lagern kann. Es wird aber mit keiner Silbe erwähnt, dass es zunächst die Pflanzen sind, die das CO2 aus der Luft durch Photosynthese binden. Erst wenn die abgestorbenen Pflanzenbestandteile zu Humus umgesetzt wurden, kann eine längerfristige Speicherung im Boden stattfinden. Daran sind zudem nicht nur die großen Bodentiere, sondern auch unzählige Mikroben beteiligt.

Ärgerlich sind außerdem ein paar sprachliche Stolperstellen, die man bei einem journalistischen Profi wie dem Autor nicht erwartet hätte. Dazu zählt beispielsweise die Verwendung des abwertenden „bäuerisch“ anstelle des neutral bis positiv konnotierten „bäuerlich“ in einem ansonsten befürwortenden Kontext. Wenig schön ist auch der „industrialisierte Landwirt“, selbst wenn klar ist, was damit zum Ausdruck gebracht werden soll. Zwar kann die Arbeitsweise des Landwirts industrialisiert sein, er selbst bleibt aber doch ein biologisches Wesen.

Mehr als ärgerlich sind dagegen inhaltliche Ungenauigkeiten. So stellt der Autor eine Studie zum Klimaschutz in der Landwirtschaft vor, und dabei werden mal eben aus 35 Millionen Tonnen CO2 lediglich 35 Tonnen des Treibhausgases. Solche Fehler beeinträchtigen das Vertrauen in die Recherche – und das anschließende Lektorat.

Alles in allem ein leicht lesbares Buch mit vielen Aspekten und Anekdoten zur Bodenfruchtbarkeit, aber keine fundierte Argumentationshilfe für weiterführende Diskussionen.

Florian Schwinn: Rettet den Boden! Warum wir um das Leben unter unseren Füßen kämpfen müssen, Westend-Verlag, Frankfurt, 2019, 24.-Euro 

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Faktenbasiert, undogmatisch

Veröffentlicht am 19.11.2019

Es ist ein Vergnügen, dem Autor zu folgen, während er durch den Dschungel der Ernährungstheorien und
-mythen dirigiert. 
Gut verständlich werden physiologische Grundlagen des Stoffwechsels erläutert und selbst scheinbar Widersprüchliches schlüssig erklärt. So entsteht ein nachvollziehbares, undogmatisches Modell für eine gesundheitsförderliche Ernährungsweise.
Was allerdings nahezu vollständig ausgeklammert wird, das sind die gesellschaftspolitisch relevanten Aspekte von Ernährung wie z. B. die Ernährungsbildung oder die notwendigen Fragen zur Herkunft und Entstehungsweise von Nahrungsmitteln. Vielleicht werden das die Inhalte eines Folgeprojektes. Außerdem stören kleine Wiederholungen wie beispielsweise der immer wieder eingefügte Hinweis, dass der Autor gerne Nüsse snackt. 

Bas Kast: Der Ernährungskompass, C. Bertelsmann Verlag, München, 2018, 20,00 Euro

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Faszinierende Einblicke

Veröffentlicht am 09.11.2019

Dieses inzwischen berühmte Buch von Thomas Seeley liefert in zweierlei Hinsicht faszinierende Einblicke. Zum einen schenkt es Leserinnen und Lesern hinreißende Erkenntnisse darüber, wie Bienenschwärme Entscheidungen treffen. Zum anderen gewährt es einen intensiven Blick darauf, wie wissenschaftliche Ergebnisse zustande kommen (sollten). Mit viel Kreativität, Fleiß und in kleinen Interpretationsschritten, die immer wieder auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Jedes Resultat wirft neue Fragen auf, die wiederum sorgfältig erwogen und geprüft werden. Dabei wird stets in Betracht gezogen, was andere Wissenschaftler entdeckt oder zumindest vermutet haben.
Wenn Bienen als Schwarm „umziehen“, dann findet ein aufwändiger Entscheidungsprozess bei der Auswahl der neuen Wohnhöhle statt. Kundschafterinnen prüfen deren Qualität und präsentieren die Ergebnisse dem Schwarm. Letztendlich entscheidet ein Quorum, welche Wohnung bezogen wird.
Das Buch ist trotz der komplexen Inhalte vergnüglich zu lesen, weil Seeley flüssig und immer freundlich aus der Ich-Perspektive erzählt. Gelegentlich streut er Anekdotisches ein, wodurch er den Leser auf angenehme Weise auf seine Erkundungen mitnimmt.  

Thomas D. Seeley, Bienendemokratie – wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können;
S. Fischer-Verlag, Frankfurt a. M., 2015; 14,00 Euro (Taschenbuchausgabe)

 

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Banalitäten

Veröffentlicht am 05.11.2019

Nachdem das Buch in den sozialen Medien ziemlich intensiv beworben wurde, habe ich voller Neugier auf die Auslieferung des Buchs gewartet. Schon das zog sich allerdings ziemlich lange hin. Richtig enttäuschend war aber dann die Lektüre. Es handelt sich im Wesentlichen um eine Ansammlung von Banalitäten.  Das reicht von dem Vorschlag, Kleider länger zu tragen, über den Hinweis, möglichst viele Strecken mit dem Rad zu fahren bis zu dem Ratschlag, man möge doch Gartenmöbel aus Holz, anstatt aus Plastik bevorzugen und Plastiktüten verweigern. Das Buch gibt dabei noch nicht einmal den aktuellen Stand der Debatten wieder, wenn es beispielsweise zum getrennten Sammeln von Verpackungsmaterialien auffordert, aber nicht thematisiert, dass entgegen der Annahme vieler Gutwilliger der Müll dann trotzdem auf langen Umwegen im Meer landet. Viele Tipps sind außerdem doch deutlich auf die schwedischen Lebensverhältnisse gemünzt. So passt zum Beispiel der Hinweis, ein Holzboot anstelle eines Kunststoff-Bootes zu haben, nur sehr bedingt zu hiesigen Lebensverhältnissen.
Das Buch ist auch deshalb schnell gelesen, weil es viel Platz für Layout – und ja, schöne Bilder – zur Verfügung stellt. Es ist alles in allem wie eine Sammlung von Blättern eines Abreißkalenders angelegt. Sowohl was die Sprache, die Form und leider auch das inhaltliche Niveau angeht.

Johan Tell: Achtsam grün leben – 100 einfach Möglichkeiten, die Geld sparen und die Umwelt schonen; Mentor-Verlag, Berlin, 2019; 29,90 EUR

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